Altbundespräsident Johannes Rau ist tot

Der am 27.01.2006 gemeldete Tod von Deutschlands früherem Bundespräsidenten Johannes Rau hat in der ganzen Welt zu Trauer und Beileidsbekundungen geführt. In Deutschland haben Bürger die Möglichkeit, sich in verschiedene Kondolenzbücher einzutragen. Diese wurden unter Anderem in der Villa Hammerschmidt in Bonn und im NRW-Landtag in Düsseldorf ausgelegt. Der derzeitige Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel trugen sich am Samstag Vormittag mit als erste in das im Schloss Bellevue in Berlin ausgelegte Kondolenzbuch ein.

Johannes Rau war am Freitag im Alter von 75 Jahren nach längerer Krankheit in seiner Berliner Wohnung verstorben. Aus gesundheitlichen Gründen hatte Rau bereits am 16. Januar 2006 nicht an den zu seinem 75. Geburtstag angesetzten Feierlichkeiten im Schloss Bellevue teilnehmen können. Auf dieser Feier sollte unter anderem Raus politisches Lebenswerk gewürdigt werden. Rau war 1952 mit dem Eintritt in die damalige Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP) erstmals politisch aktiv geworden. Nach deren Auflösung 1957 trat er im Alter von 26 Jahren in die SPD ein und wurde bereits im nächsten Jahr Vorsitzender der Wuppertaler Jungsozialisten.

Weitere Meilensteine in Raus politischem Werdegang sind der Vorsitz der NRW-SPD-Fraktion (ab 1967) und die Zeit als Oberbürgermeister von Wuppertal (1969 bis 1978). Nach seiner Zeit als NRW-Minister für Wissenschaft und Forschung (ab 1970) wurde Rau 1977 SPD-Landeschef und 1978 Ministerpräsident. Auf beiden Positionen verblieb er etwa 20 Jahre. Bereits 1994 wurde Johannes Rau von der SPD als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten aufgestellt, er unterlag aber gegen Roman Herzog. Doch nachdem er 1999 erneut für diese Position nominiert wurde, wurde Rau im zweiten Wahlgang zum Bundespräsidenten gewählt und verblieb für eine Amtszeit (fünf Jahre) in dieser Position, um von Horst Köhler (CDU) abgelöst zu werden.

Kurz vor Ende seiner Amtszeit erregte Rau noch einmal auch international Aufsehen, da er in seiner sogenannten „Berliner Rede 2004“ sehr klare Worte gegen die persönliche Vorteilsnahme von Managern und die allgemeine schlechte Stimmung in Deutschland wählte. So sagte er, dass ihm kein anderes Land bekannt sei, „in dem so viele Verantwortliche und Funktionsträger mit so großer Lust so schlecht, so negativ über das eigene Land sprechen, wie das bei uns in Deutschland geschieht“. Er forderte, dass „Manager in erster Linie an das Unternehmen, seine Anteilseigner und Beschäftigten, denken und nicht an ihre eigenen Abfindungen oder Aktienoptionen“.

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